14. Juli 2022

Wieder zu Hause hat man reichlich Kopfkino

Hallo zusammen,
diese Woche hatte es wieder in sich. Die Arbeit im Hintergrund verschlingt mehr Zeit, als einem lieb ist. Heute sollte es aber nicht um die Organisation gehen, sondern um die Menschen da draußen. Viele von ihnen haben mittlerweile unsere Telefonnummer und stehen mit uns in Kontakt. So wissen wir auch an Tagen, an denen wir nicht unterwegs sind, ob alles in Ordnung ist.
Leider musste mein Beifahrer kurz vor Tourstart aus persönlichen Gründen absagen. Das ist für uns aber kein Grund, nicht zu fahren. Das Auto beladen, das Wasser heiss, ging es halt alleine raus. Auf dem Plan standen Witten und Bochum. Schon beim ersten Halt traf ich auf fünf Personen. Vier von ihnen hatten Hunger und Durst, was umgehend abgestellt wurde. Ein Herr, der nach einem Messerangriff letztes Jahr im Krankenhaus notoperiert werden musste, erzählte von seinen Problemen mit den Ämtern und der daraus resultierenden offenen Krankenhausrechnung. Viele Jahre hat Arthur (Name geändert) gearbeitet und Steuern gezahlt. Weder Alkohol noch Drogen konsumiert er, sitzt aber auf der Straße. Nach eigenen Angaben hat er schon drei Anträge bei den zuständigen Behörden eingereicht, aber nach über zehn Monaten immer noch keine Zusage. Durch die gesundheitlichen Folgen des Messerangriffs kann er auch nicht mehr arbeiten. Kein Job, kein Geld, keine Wohnung. So schnell landet man in der Gosse. Mittlerweile kümmern sich Anwälte einer großen Zeitung darum, Arthur zu helfen. Wir drücken die Daumen das es schnell klappt.
Es gab bei so vielen Menschen auf einer Stelle viel zu erzählen. So dauerte dieser Halt doch ein wenig länger.
Als nächstes galt es, ein versprochenes Zelt abzugeben. Heute beim zweiten Versuch klappte es endlich. Die zwei Herren waren vor Ort und freuten sich riesig über ein Zelt, eine Campinglampe sowie Isomatten. Das Ganze wurde wieder mit Kaffee, Suppe und Smaltalk abgerundet, bevor es in die Innenstadt von Bochum ging.
Auch hier gab es wieder ein paar Menschen, die wir teilweise schon seit Jahren kennen. Eine von ihnen war Bärbel (Name geändert). Sie freut sich immer ganz extrem über jegliche Hilfe und ein offenes Ohr. Auch hier dauert es immer ein paar Minuten länger. Machen wir gerne, wir sehen ja immer, wie sehr sie sich freut.
Auf dem Weg nach Hause ging es noch durch Hattingen, Haßlinghausen und Gevelsberg. Hier trafen wir heute aber niemanden. Wieder zu Hause hat man reichlich Kopfkino. Die vielen Schicksale beschäftigen einen sehr. Sie motivieren uns aber auch immer wieder, zu helfen.
Gute Nacht, Andreas vom Lichtschmiede e. V. Team