29. April 2026

Sie erhält eine 2. Terrine und das Zittern hört auf

Wir haben eine Meldung von Andreas erhalten: Ein bedürftiges Paar benötigt Unterstützung. Wir haben die Telefonnummer und ich rufe an, was genau fehlt und entsprechend wird der Wagen gepackt.

Wir kennen das Paar, werden überschwänglich begrüßt – und ja, es ist schon schön, wenn man sich so freut und dankbar ist, auch, wenn die Hilfe für uns selbstverständlich ist!

Wir fahren weitere Plätze an, treffen auf Menschen, die nichts benötigen, auf schlafende, die wir nicht wecken, die schweigsame Dame saß wieder nicht auf ihrer Bank – ein gutes Zeichen? Wir hoffen es!

In Hohenlimburg hält sich niemand auf, der Unterstützung benötigt. An einer Bushaltestelle sitzt eine Dame mit Einkaufswagen, gefüllt mit großen Plastiktüten. Es stellt sich heraus, dass sie sechs Kinder und eine Wohnung hat. Warum sie dann spätabends mit Einkaufswagen auf einer Bank an einer Bushaltestelle sitzt?

Weitere Plätze, die wir ansteuern, sind leer, nun zum letzten Treffpunkt am Hauptbahnhof. Auch hier ist nicht viel los, zwei Polizisten und eine Polizistin zeigen Präsenz. Kurzes Hallo – und dann kommen einige wenige unserer Bekannten zum Wagen.

Sie werden versorgt, wir sind unsicher – sollen wir fahren?

Dann kommt ein Herr 'bewaffnet' mit Tabakdose und diversen leeren Flachmännern zu uns, macht Sprüche, frotzelt rum – und Frank und ich steigen sofort in die lockere Kommunikation ein, was ihn total begeistert. Er mag offensichtlich Franks trockene Art, ist in Wirklichkeit D’Artagnan und in mich verliebt.

Er grinst: "Den gibt’s doch gar nicht!"

Er hält mir seinen Ellenbogen hin und ich stupse ihn an: "Bin ich echt?" – Ja klar! Es geht eine Weile so hin und her - diese Begegnung wird uns noch lange in guter Erinnerung bleiben!

Die Frage, ob wir fahren sollen, hat sich plötzlich erledigt – es kommen aus allen Himmelsrichtungen weitere Menschen zu uns.

Mir fallen zwei Herren auf, ich gehe auf sie zu, gucke den einen an, hole tief Luft – und bevor ich fragen kann, nickt er, nennt seinen Namen: "Immer noch!" Er erkennt mich wieder und ich freue mich, ihn wiederzusehen, hoffentlich erfüllt sich seine Hoffnung auf eine Wohnung!

Sein Begleiter erzählt einiges aus seinem Leben, u.a. war er als Soldat im Österreichischen Bundesheer in Kriegsgebieten. Mehr braucht man nicht zu wissen. Er weiß, dass er unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet. Der Grund, warum er auf der Straße ist? Ich mag nicht fragen.

Eine Dame wird von einer weiteren, der wir kurz vorher bescheidene Wünsche erfüllen durften, zu uns begleitet. Sie zittert, spricht halbwegs gut Deutsch, so dass wir verstehen: Der Freund hat sie aus der Wohnung geworfen, sie hat seit drei Tagen nichts gegessen, ist auf der Straße.

Frank bereitet schnell eine Terrine zu, sie kann sie vor Zittern kaum essen. Dünnes T-Shirt, kurze Lederjacke, keine Socken. Sie bekommt das ganze Paket, so dass sie nicht nur für diese eine Nacht versorgt ist.

Sie erhält eine 2. Terrine und das Zittern hört auf.

Sie bedankt sich unaufhörlich – das tut schon fast weh. Ich sage ihr immer wieder, dass wir genau deswegen doch hier sind – um zu helfen.

Die junge Frau, die sie zu uns gebracht hat, hat sie offensichtlich unter ihre Fittiche genommen, tut gut, dass zu sehen.

Irgendwann wollen wir fahren, der Kofferraumdeckel ist geschlossen. Aber es gibt noch Nachzügler – also wieder raus und weiter ausgeben - eine Selbstverständlichkeit.

Wir sitzen im Wagen auf der Fahrt ins Lager, an einer Bushaltestelle auf der Gegenspur sitzt ein Mensch im Rollstuhl. Wenden, parken, fragen – seine Antwort: "What’s your problem – GO!" Ok, wir fahren wieder.

Frank und ich wissen jetzt, dass wir ein großes Herz und das am rechten Fleck haben - so oft wurde das noch nie geäußert.

Es war eine Tour mit außergewöhnlichen Begegnungen, mit viel Spaß, aber auch mit erfahrenem Elend – und mit der Gewissheit: Unsere Hilfe kommt an.

Passt auf euch auf

Frank und Karin

von der Lichtschmiede e. V.