18. März 2026

Manche der obdachlosen Menschen sind bemüht, ihrem Rückzugsort so etwas wie Wohnlichkeit, Ordnung, Stabilität zu verleihen

Der Vereinswagen hatte gestern eine Auszeit genommen, heute ist wieder fit und darf jetzt nach Wuppertal- Vohwinkel: Die freundliche Dame ist an ihrem Stammplatz und ordnet gerade ihr 'Bett'. Es ist immer wieder berührend zu sehen, wie manche der obdachlosen Menschen bemüht sind, ihrem Rückzugsort so etwas wie Wohnlichkeit, Ordnung und Stabilität zu verleihen.

Leider gibt es auch viele, die sehr achtlos mit ihren Sachen umgehen und immer wieder nach Schlafsäcken, Rucksäcken, Isomatten etc. fragen, obwohl sie erst vor kurzem alles erhalten haben.

An einem anderen Stammplatz treffen wir den 'Bewohner' an, der nie etwas aus unserem Vorrat möchte, sich jedoch über ein Gespräch freut. Er erklärt uns, wie er den Winter verbracht hat, zeigt Decken und Unterlagen und dass das gereicht hätte, selbst bei Minusgraden. Wir können uns das absolut nicht vorstellen! Natürlich ist es auch Gewohnheit – aber trotzdem.

Was uns immer wieder erleichtert: Wenn wir sie, die wir über einen längeren Zeitraum regelmäßig mit dem Notwendigsten versorgen, bei der nächsten Tour wieder antreffen. Und wenn sie uns sagen, dass sie sich in ihren Unterkünften sicher fühlen, dann hoffen wir sehr, dass das noch lange so bleibt!

In der Fußgängerzone in Wuppertal haben wir ein weniger schönes Erlebnis: Eine obdachlose Dame, die wir vor kurzem mit allem - Schlafsack, Isomatte etc. - versorgt haben, finden wir nur mit dem, was sie trägt, vor. Alles andere hat man ihr geklaut – ein leider sehr häufiger Satz. Sie redet wieder fast ohne Luft zu holen, man versteht kaum, worum es geht, weil vieles unzusammenhängend ist. Es nähert sich ein Herr, den wir mit Terrine, Wasser, Süßem versorgen können, während die Dame nun völlig ausrastet. Es wäre ihr Platz, hier wäre es warm, er solle woanders hingehen, in ein Heim, sie hat Angst vor Männern – so geht es pausenlos. Frank versucht, ihr etwas zu Essen und zu Trinken anzubieten – keine Chance. Der Herr sitzt auf der Treppe, löffelt seine Terrine und meint hilflos, sie würde seine Geschichte doch gar nicht kennen. Wir sehen keine Möglichkeit, die Situation zu entzerren und beschließen, weiterzufahren. Ich starte den Wagen, höre, wie die Dame Frank empört nach Essen fragt und Frank ihr ruhig antwortet, dann solle sie jetzt sagen, was sie möchte. Das Gezeter geht wieder los und wir fahren. Die Hilflosigkeit in dieser Situation macht zu schaffen – aber wir waren chancenlos.

Weitere Treffen verlaufen zum Glück wieder wie gewohnt: Friedlich, mit Ausgabe von allem Möglichen, mit Lachen, Zuhören, guten Wünschen und Winken zum Abschied 'Bis zum nächsten Mal!'

Am Hauptbahnhof sehen wir wieder den netten Herrn, mit dem Gespräche so angenehm sind. Ein weiterer Herr ist offenbar mittlerweile hier ebenfalls Stammgast und beide erhalten Kaffee und Süßes bzw. Saures. Neulich hatten wir das Thema 'Essen und Teezubereitung', jetzt sind es Filme. Über Stanley Kubrick sind wir uns alle vier einig: Ein großartiger Regisseur – wir erinnern uns gerne an 'Clockwerk Orange' und '2001: Odyssee im Weltraum'.

Weitere Menschen tauchen auf und wir haben wieder gut zu tun. Trotzdem finden wir immer wieder Zeit für Gespräche.

Eine uns gut bekannte Dame kommt zu mir, druckst rum. Manchmal ist es leichter für obdachlose Frauen, mit einer Frau zu reden. Ich sage, dass sie nicht reden muss, aber wenn sie möchte, höre ich gerne zu. Frank ist mit einigen Herren im Gespräch, so dass wir quasi allein sind. Es ist nicht schön, was ich erfahre, aber ich bin froh, dass sie das Vertrauen aufgebracht hat.

Auf der Rückfahrt besprechen wir den Einsatz, es hat dieses Mal viele längere Gespräche gegeben, die uns eine Zeit beschäftigen. Manchmal zu sehr: Zuhause angekommen leere ich den Briefkasten: Ein wenig gelungenes schwarzweiß Foto für 30 €, aufgenommen nachts auf einer Rückfahrt vom Lager. Tja – selbst schuld!

Passt gut auf euch auf sagen

Frank und Karin

vom Team Lichtschmiede e. V.