13. September 2026

Verdammt kalt

Die Regenwolken haben Respekt vor uns Ehrenamtlichen und gönnen uns einen trockenen Einsatz. Überlegungen am Lager: Packen wir schon Wintermäßiges ein oder nicht? Wir sind uns einig: Sommerschlafsäcke, aber warme Pullis. Im Sommer geben wir kleine Rucksäcke mit hitzeerleichternden Utensilien aus, zwei liegen noch im Vereinswagen und werden zurück ins Lager geräumt. Der nächste Sommer kommt mit Sicherheit.

Los geht’s Richtung Witten. Wir sprechen während der Fahrt darüber, dass 16 °C und 13, 14 °C von der Zahl her ein winziger Unterschied sind, aber sehr wohl in der Wahrnehmung der Temperatur. 13, 14 °C sind verdammt kalt!

In Witten freut sich unser guter Bekannter darüber, uns zu sehen, und auch dieses Mal lehnt er eine Isomatte ab – der Schlafsack reicht. Wir kennen seine Wünsche, vergewissern uns, dass sich nichts geändert hat, und bringen ihm sein Standard-„Menü“. Der Herr, der einige Meter weiter seinen Schlafplatz aufgeschlagen hat, ist noch unterwegs – hoffentlich werden seine wenigen Habseligkeiten nicht gestohlen!

Den schlafenden Herrn beim nächsten Halt wecken wir nicht. Obdachlose Menschen leben in ständiger Angst vor Übergriffen – wenn sie tatsächlich mal tief und fest schlafen, ist dieser Schlaf wichtiger als eine Terrine und eine Tüte Haribo. Sie brauchen die Kraft des Schlafes.

Hagen Hauptbahnhof – und wieder dieses Phänomen: Zunächst ist nur einer unserer Bekannten zu sehen und plötzlich bildet sich eine Menschentraube an der Heckklappe des Vereinswagens!

Ein lange nicht gesehener Bekannter taucht auf – große Freude und natürlich wieder das ambivalente Gefühl: Freude, dass er lebt – traurige Gewissheit, dass er noch auf der Straße ist. Und diese Gewissheit trifft in so vielen Fällen zu, dass sie es auch bleiben werden, leider zu häufig.

Bei einem anderen Gast ist es eine andere Herausforderung: Er sieht alles andere als obdachlos aus, reklamiert aber Terrinen, Zahnbürste und -pasta, Duschgel etc. für sich. Steffi hakt nach und aufgrund der Sprachbarriere ist eine definitive Aussage nicht so einfach – die Tendenz geht zu „er hat eine Wohnung“. Wir werden ihn im Auge behalten.

Eine letzte Runde durch die Fußgängerzone bleibt erfolglos – aufgrund des Regens den ganzen Tag über haben sich sicher viele in trockene Unterkünfte zurückgezogen. Hoffentlich geht es ihnen gut.

Passt auf euch auf und schaut nach euren Lieben.
Steffi und Karin
vom Team Lichtschmiede e. V.