11. September 2026

Erinnerungen, die uns verbinden

Heute stand Wuppertal wieder auf dem Plan und, nachdem wir sorgfältig den Wagen gepackt hatten, ging es los.

Unsere Tour begann bei unseren Zeltbewohnern. Drei Zelte, gut versteckt im Gebüsch. Es war kühl und hatte tagsüber geregnet, also eher klamm und feucht im Zelt.

Frierend stand die junge Frau vor uns, die dort mit ihrem Partner „wohnt“. Er lag erkältet im Zelt. Sie fragte nach dicken Pullovern. Ja, es wird Zeit, dass wir auf Winterkleidung umstellen. Heute konnten wir ihr leider nur ein T-Shirt geben, wenigstens trocken und sauber.

Auf dem Weg in die Innenstadt machten wir an einer Schlafstelle halt. Niemand da, aber wir staunten über den „besenreinen“ Platz: Kehrschaufel, Handfeger und Besen lagen neben der Matratze. Beim Verlassen der Schlafstelle fiel unser Blick zufällig durch eine Lücke im Gebüsch. Etwas Großes, Weißes hing dort auf der anderen Seite. Was war das?

Wir schauten nach und entdeckten ein großes weißes Tuch als Sichtschutz. Dahinter stand ein Zelt, liebevoll mit Paletten eingezäunt. An einer Wand lehnte wieder ein Besen. Der gesamte Schlafplatz war bemerkenswert sauber.

Leider war auch hier niemand zu Hause. Aber wir kommen wieder.

Auf dem Weg in die Innenstadt trafen wir einen alten Bekannten. Er freute sich über eine Terrine, Feuchttücher und Haribos. „Guckt mal, was ich gerade zum zweiten Mal in meinem Leben lese.“ In seiner Hand: ein arg abgegriffenes Buch – „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“.

Und plötzlich waren sie wieder da, die Erinnerungen, die wir mit diesem Buch verbinden. Erinnerungen, die uns irgendwie alle verbinden.

Am Bahnhof versorgten wir wieder viele bekannte und neue Bewohner der Straße. Anschließend fuhren wir durch alle Etagen eines Parkhauses. Dort hatte ein alter Bekannter sein Lager aufgeschlagen. Er winkte uns schnell weiter. Ein absoluter Einzelgänger, manchmal abweisend, dann wieder erstaunlich zugänglich. Wir nehmen es, wie es kommt.

Die eigentliche Überraschung waren die vielen weiteren Schlafplätze. Man merkt deutlich: Es wird kälter. Leider trafen wir niemanden an. Aber wir werden ab jetzt regelmäßig nachschauen.

Passt gut auf euch auf.
Olaf und Monika
vom Team Lichtschmiede e. V.