10. Mai 2026
Ich geh dann mal eben in den Keller!
Wie immer – Treffen am Lager und Packen des Vereinswagens.
Andreas packt noch eine Tasche mit T-Shirts, das junge, hilfsbedürftige Paar hatte um Unterstützung gebeten und letztens gab es ja das Problem mit den T-Shirts Größe M – zu klein! Außerdem wird immer wieder nach T-Shirts gefragt.
In Witten rechnen wir damit, unseren Bekannten mit den vier Einkaufswagen zu treffen – aber er ist nicht zu sehen! Übersehen kann man ihn und seine Wagenkolonne ja nicht – also ist er wohl weitergezogen. Schade, es ist immer ein nettes Treffen, hoffentlich geht es ihm gut.
Nicht weit entfernt sehen wir einen anderen Bekannten zusammen mit einem uns unbekannten Herrn sitzen – großes Hallo und Freude, uns zu sehen. Andreas geht zu einem einige Meter weiter liegenden Herrn – auch er hat Hunger und Durst. Die drei folgen uns zum Wagen, die Wünsche sind erfüllbar: Terrinen, Wasser, Kaffee, Süßes, Hygieneartikel. Der Herr, der neben unserem Bekannten gesessen hat, erzählt, dass er zwar eine Wohnung, aber wirklich wenig Geld hätte und dass er sich um unseren Bekannten gekümmert hätte und ob er nicht vielleicht einen Kaffee? Na klar. Für Menschen, die sich um unsere Gäste kümmern, ist immer ein Kaffee drin.
Auf der Weiterfahrt treffen wir niemanden an, der Hilfe benötigt.
Erst in Hagen sehen wir einen unserer Bekannten, der letztens umgezogen ist. Da er das letzte Mal einiges benötigte, weckt Andreas ihn. Nein, alles gut, er braucht nichts. Also weiter.
In der Fußgängerzone sitzt ein Herr vor einer Bank, dreht sich gerade eine Zigarette, vor sich ein kleiner Karton für Geldspenden. Seine bescheidenen Wünsche dürfen wir erfüllen – aber nicht den Wunsch nach Bargeld.
Am Hauptbahnhof sehen wir sie von weitem: Unsere Stammgäste, die hoffen, dass wir heute auftauchen. So häufig, wie Teams von der Lichtschmiede e. V. rausfahren, ist die Wahrscheinlichkeit groß – und da sind wir!
Und da sind sie: Alte Bekannte und neue Menschen, die wir vielleicht nie wiedersehen. Versorgt werden alle, soweit es uns möglich ist.
Eine junge Frau möchte etwas Saures und Andreas krabbelt fast in die Süßigkeiten-Box: "Ich geh dann mal eben in den Keller!" Er taucht wieder auf, triumphierend einen Beutel Saures schwingend. Zu früh gefreut, er muss noch mal runter – zwei weitere haben Appetit auf Saures.
Eine kleine, ältere Dame, die wir ebenfalls bereits kennen, benötigt einiges aus unserem Vorrat. Sie darf nicht arbeiten, da sie herzkrank ist, das Geld reicht hinten und vorne nicht. Sie muss eine Herz-OP machen lassen, ich frage nach einem Termin, aber sie hat keinen, traut sich nicht.
Sie sagt, dass wir gute Menschen sind, das sieht sie an unseren Gesichtern. Und dass man Menschen ansieht, wenn sie schlecht sind – so wie die Menschen, die sie aus dem Zug werfen. Andreas dreht sich um und macht ein wirklich grimmiges Gesicht: "Habe ich immer noch ein gutes Gesicht?" Sie lacht: "JA!" Ich erkläre ihr: "Der tut nix, der will nur spielen."
Es hat wieder gut getan: Nicht nur helfen zu dürfen, auch ein wenig Spaß zu machen, zu lachen. Und aus der gedrückten Stimmung der Dame wurde, zumindest kurzfristig, eine lockere, fröhliche.
Irgendwann sind alle versorgt, ein letztes Winken und es geht Richtung Lager. Wir sprechen über die junge Frau, die wir heute zum ersten Mal gesehen haben und die offenbar noch nicht lange auf der Straße ist.
Andreas: "Und wieder die Frage: Warum?" Manchmal erfahren wir es, meistens aber nicht.
Eine letzte Runde durch Gevelsberg, zum Lager und Wagen tauschen – und dann ist die Tour zu Ende.
Passt gut auf euch auf sagen
Andreas und Karin
vom Team Lichtschmiede e. V.