31. Mai 2023

Heute fragte er, ob wir nicht noch etwas bei ihm bleiben können

Am Sonntag meldete sich ein alter Bekannter bei uns. Er war längere Zeit obdachlos, konnte dann aber bei einem Verwandten unterkommen. Dort wohnte er nun schon längere Zeit, aber nun gab es Differenzen und die Alternative war die Straße. Und da war er nun wieder. Ohne die nötigen Utensilien, die man so braucht, um auf der Straße übernachten zu können.
Selbstverständlich für uns von der Lichtschmiede e. V , dass wir da helfen, auch wenn keine Tour geplant war. Ich habe mich dann mit ihm noch in der Nacht getroffen, um ihn mit Schlafsack und Isomatte auszustatten. Auch einen Hoodie gab es noch dazu. Er fror sichtlich in seinem dünnen T-Shirt. Bei heißer Terrine und Kaffee plauderten wir dann noch eine ganze Zeit. Er erzählte was passiert war und es tat ihm gut, darüber reden zu können. Danach ging es dann auch für mich wieder nach Hause, mit dem Wissen, dass er auf jeden Fall nicht frieren muss. Die Nächte sind ja, trotz der nun warmen Temperaturen am Tag, doch noch ziemlich kühl.
Am Montag meldete sich unser Bekannter dann wieder. Ob wir ein Zelt für ihn haben. So wie es aussieht, bleibt er nun erstmal wieder auf der Straße. Und ein kleines Zelt ist da eine Hilfe. Wenn auch keine gemauerten Wände um ihn herum, wenigstens der Schutz von Zeltplane. So fuhren Björn und ich dann am Abend nochmal los, um ihm ein Zelt zu bringen. Er hatte noch einen Freund dabei und so versorgten wir beide auch noch mit Terrine und kaltem Getränk. Gemeinsam war das Zelt dann schnell aufgebaut und so ging es für Björn und mich dann auch wieder nach Hause.
Am Mittwoch starteten wir dann am Abend zu unserer Tour. Da das Team am Dienstag in Hagen unterwegs war, ging es für uns nach Wuppertal. In letzter Zeit sind in Wuppertal einige neue Obdachlose hinzu gekommen. Wir fragen nicht, was dazu führte. Oft wird uns, wenn man sich dann besser kennt und Vertrauen da ist, erzählt. Es sind traurige Geschichten, Schicksale und jedes Mal wird einem wieder bewusst, wie gut es uns doch geht.
Unser erster Stopp war dann auch bei einem jungen Mann, den wir noch nicht lange kennen. Er ist erst seit ca. einem Monat auf der Straße und wirkt sehr verloren. Bislang hat er immer nur dankend Essen und Trinken angenommen. Auch Schlafsack, Isomatte und Zelt hatte er schon von uns. Heute fragte er, ob wir nicht noch etwas bei ihm bleiben können. Vielleicht könnte er noch einen Kaffee in unserer Gesellschaft trinken. Natürlich blieben wir bei ihm und er fing an zu erzählen. Er landete auf der Straße und wurde gleich krank. So hat er sich bislang um nichts gekümmert. Keine Meldeadresse und ob er noch krankenversichert ist, wusste er auch nicht. Wir gaben ihm Tipps, nannten ihm Anlaufstellen und man merkte, er wurde zuversichtlicher. Als wir dann weiter fuhren, stand sein Plan fest, sich noch in dieser Woche um alles Wichtige zu kümmern. Wir hoffen sehr, dass er es auch umsetzt und werden weiter nach ihm schauen.
An unserem nächsten Halt trafen wir gleich auf zwei neue Gesichter. Bislang unterwegs ohne Schlafsack und Isomatte, was wir natürlich schnell änderten. Die beiden freuten sich sehr. Einer von ihnen erzählte uns, er hätte ein gutes Leben gehabt. Dann zerbrach die langjährige Beziehung. Es war ihre Wohnung, in der sie lebten. Er sollte raus aus der Wohnung. Ohne Zeit sich etwas Neues zu suchen. Und da war er nun, auf der Straße. Auch ihm tat es gut bei Terrine und Kaffee zu erzählen. Einen Rucksack hatten wir auch noch dabei, den er freudig entgegennahm und gleich sein Hab und Gut darin verstaute.
Auch die ältere Dame kam wieder zu uns. Sie hat eine Wohnung, aber dort fühlt sie sich nicht wohl. So läuft sie Nacht für Nacht durch die Stadt und ihr Zustand wird immer schlechter. Sie weiß, wohin sie sich wenden kann, aber sie lässt sich bislang nicht helfen. Eine Terrine, einen Kaffee und auch etwas Süßes nimmt sie immer sehr gerne von uns und freut sich darüber. Während wir uns dort aufhielten, kamen noch einige andere unserer Bekannten und wir durften mit Essen, Trinken und Süßem helfen. Allgemein gab es in dieser Nacht viel zu erzählen.
Weiter ging es für uns dann zu dem nächsten Wohnzimmer auf der Straße. Dort leben eigentlich zwei Menschen, aber heute war nur eine unserer Bekannten da. Unsere andere Bekannte ist in der Klinik. Uns wurde erzählt was passiert war und wir hoffen sehr, dass dieser Klinikaufenthalt die Chance auf ein anderes, ein besseres Leben ist.
Wir fuhren dann noch andere, uns bekannte Plätze an und durften noch mehrere Straßenmenschen mit Essen und Trinken versorgen. Auch ein neuer Schlafsack wurde noch dringend benötigt, weil der alte gestohlen worden war. Auf dem Rückweg nach Gevelsberg hielten wir noch in einem anderen Stadtteil, um dort nach zwei Menschen zu schauen, die ein anderes Team von uns auf einer der letzten Touren kennen gelernt hatte. Ihre Sachen waren dort, aber von beiden keine Spur. Dann steuerten wir noch ein Parkhaus an, wo auch häufig jemand schläft, aber auch dort war niemand in dieser Nacht.
So machten wir uns dann endgültig zurück auf den Weg nach Gevelsberg.
Passt auf euch auf. Björn und Sabine vom Team Lichtschmiede e. V.