Alles sollte wie immer ablaufen.
Treffen in Gevelsberg, Wagen übernehmen und los.
Aber dann sprang Sabines Auto nicht an und ich musste sie kurzentschlossen in Vohwinkel abholen.
Gerade diese Spontanität und Flexibilität machen unseren eher kleinen Verein aus.
Hauptsache die Tour findet statt!
Wir fuhren zunächst ein Parkaus an, das wir aber zu unserer Überraschung leer vorfanden.
Wo waren die obdachlosen Menschen wohl jetzt, die sich noch vor ein paar Tagen dort aufhielten?
Aber viele wechseln aus verschiedenen Gründen immer wieder Stammplätze und wir sehen sie dann irgendwann an anderer Stelle wieder.
In der Innenstadt trafen wir unseren Bekannten, der beim letzten Mal eine Auseinandersetzung in einem Parkhaus hatte.
Er brachte jemanden mit, der seit ein paar Tagen erst auf der Straße war.
Er wirkte orientierungslos, hatte wohl gerade konsumiert, wollte nichts und ging apathisch weiter.
Wieder mal ein Anlass, um mit unserem Bekannten über seinen Entzug zu reden.
Ganz schwieriges Thema.
Ist der Entzug von Alkohol, Heroin etc. schon schwer, ist er bei Kokain extrem hart.
Es gibt Substitutionsprogramme mit Ersatzdrogen, aber nicht für Kokain.
Und mit Kokain wird Wuppertal wohl seit einiger Zeit überschwemmt, wie uns schon viele Straßenmenschen berichteten.
"Es ist wie eine Epidemie", so unser Bekannter.
Ein Entzug bei Kokainsucht ist eigentlich nur zwangsweise in der JVA, Klinik oder aber in Begleitung einer nahestehenden Person möglich, die hilft, unterstützt, zuredet, festhält.
Wir können uns diesen Kampf nicht annähernd vorstellen. Körperliche und psychische Beschwerden müssen nahezu unerträglich sein und nur mit allergrößter Willenskraft ist ein Loskommen von der Kokainabhängigkeit möglich.
Deshalb ist es auch zu einfach zu sagen: Dann mach doch mal!
Wir bringen aber trotzdem immer wieder die Sprache darauf, denn es ist letztendlich das wichtigste Thema auf der Straße: Wie komme ich hier wieder raus?
Wir trafen an anderer Stelle, neben vielen bekannten Obdachlosen, auch wieder unser "Sorgenkind".
Ihn brauchen wir nicht auf das Thema anzusprechen.
Nahezu bei jedem Abschied sagt er: "Ja und morgen geht es dann zur Entgiftung."
Alkohol ist sein Problem und scheinbar sind wir sein schlechtes Gewissen.
So oft schon gute Vorsätze besprochen.
Nichts ist passiert.
Ein anderer Bekannter ging an unserem Auto vorbei, rief uns zu: "Komme gleich" und weg war er.
Er musste sich wohl erst "versorgen" für die Nacht und Nahrungsaufnahme ist da zweitrangig.
Währenddessen gaben wir Terrinen, Getränke und Haribos an andere Strassenmenschen aus und unterhielten uns eine Weile.
Er kam nicht zurück, die "Beschaffung" gestaltete sich wohl schwierig.
Schade, denn manchmal sind wir die einzige Quelle für eine warme Mahlzeit.
Wenn Kopf und Körper nicht mehr dem Willen gehorchen, sondern nur noch fremdbestimmt werden von der Droge, dann ist Hilfe von außen so wichtig.
Wir sind wichtig.
Das Team von Lichtschmiede e. V.