01. August 2023

Die Traumwelt der Straße

Ist sie Real oder Fiktion? Im Grunde genommen ist es egal. Wir alle träumen von einer schöneren Welt. Wir träumen uns raus aus dem Alttag, der oft grau und dunkel ist. Oft ist es die Einsamkeit die uns träumen lässt, von Zweisamkeit.
Wir treffen Menschen auf der Straße, diese besonderen Menschen, die in der Masse untergehen und doch sind sie immer da. Seit langem war ich heute wieder einmal Nachts mit Sabine und Björn auf der Straße unterwegs.
Es war, als wäre es gestern gewesen und nicht sechs Monate her, dass ich dabei war. Die Menschen sind die gleichen geblieben und es sind noch mehr dazu gekommen. Doch die Träume und Geschichten, die wir in intensiven Gesprächen gehört haben, kristallisieren die Einsamkeit dieser Menschen. Fiktion oder Realität spielt hier keine Rolle. Wichtig ist nur, zuhören und das Gesagte annehmen.

Wir trafen eine ältere Dame. Ihre kleine Wohnung ist ein Stuhl, ein paar Tüten und Regenschirme. Sie erzählte uns, dass viele Menschen ihr etwas zu Essen bringen und auch Kleidung. Sie zeigte uns die tollen Sachen, die sie bekommen hatte und war von jedem einzelnen Stück total begeistert. Sie erzählte uns, dass sie eine bestimmte weiße Bluse sucht. "Eine weiße Bluse?" fragten wir. Sie sagte "Ja, für besondere Tage." Sie beschrieb sie ganz genau, wie sie aussehen sollte.
Wir trafen einen Herren. Er erzählte uns von seiner Freundin, von Kindern, die er mit ihr haben möchte. Sie wohnt weit weg und sie weiß, dass er auf dem Asphalt lebt. Sie akzeptiert es und verurteilt ihn nicht.
Fiktion oder Realität, es ist egal, wichtig ist, dass diese Menschen etwas haben, woran sie sich festhalten können.
Lange standen wir mit zwei sehr netten jungen Frauen und ihren Hund zusammen. Es wurde stellenweise durcheinander geredet und auch gelacht. Dazwischen hüpfte der Hund herum und gab auch seine Meinung dazu. Irgendwie war es chaotisch aber trotzdem sehr schön.
Es waren heute so viele Geschichten und vor allem Träume, die wir hören durften. Der Kaffee, die Terrine, etwas Süßes. Ein Schlafsack, ein paar Schuhe - diese Dinge sind wichtig, jedoch zuzuhören, Zeit zu schenken, das ist das, was es ausmacht, raus zu fahren und die Menschen der Straße zu besuchen. Ihnen einen kleinen Teil der Einsamkeit zu nehmen.
Besonders gefreut hat mich, dass mich so viele noch kannten, obwohl ich lange nicht dabei war. Sie vergessen einen nicht und das ist etwas, was mich sehr erstaunt hat. Auf der Heimfahrt überlegten wir, was an all diesen Geschichten Realität und was Träume sind. Doch wir waren uns am Ende einig. Es ist total egal, wichtig ist, dass sie etwas haben, woran sie festhalten können und das ihnen das Gefühl der Einsamkeit nimmt. Wenn ihr Lust habt, diesen besonderen Geschichten zu lauschen und vor allem, die Menschen, die dahinter stehen kennenzulernen, dann meldet euch. Es ist auf jeden Fall eine Bereicherung.
Sabine, Björn und Regine