Hallo zusammen,
Voreingenommen?
Nein, wir doch nicht!
Doch, auch wir sind nur Menschen und lassen uns manchmal vom ersten Eindruck übertölpeln.
Aber dazu später...
Heute ging es für Kerstin und mich als erstes nach Wuppertal.
Einer unserer Freunde der Straße hatte Geburtstag.
Da er nicht an seinem gewohnten Platz war, riefen wir ihn an.
Keine zwei Minuten später stand er an unserem Auto und musste sich meinen schiefen Singsang anhören.
Natürlich kennen wir nicht von jedem den Geburtstag, aber wenn es irgendwie geht, versuchen wir an alle zu denken.
Wir kamen auch nicht mit leeren Händen.
Ein paar nützliche Geschenke erfreuten das Geburtstagskind.
Irgendwie gesellten sich weitere Bekannte dazu.
Wie aus dem Nichts standen fünf Personen an unserem kleinen Auto.
Nachdem alle versorgt waren und weiterziehen wollten, ging es auch für uns in den nächsten Ortsteil.
Hier trafen wir recht schnell auf den nächsten Bekannten.
Als wir gerade aus dem Auto steigen wollten, ging ein weiterer, scheinbar obdachloser Mann fluchend und schimpfend die Straße entlang.
Kerstin wollte noch kurz sitzen bleiben, um nicht Gefahr zu laufen, mit in seine Launen verwickelt zu werden.
Sie war der Meinung, dass es besser wäre, ihm aus dem Weg zu gehen.
Als wir dann aus dem Auto stiegen, sahen wir, dass dieser Herr genau bei unserem Bekannten Halt gemacht hatte.
Da wir aber jedem, den wir treffen und der Hilfe braucht, diese auch anbieten, fragte Kerstin dann auch ihn, ob wir helfen könnten.
Das Gespräch nahm eine unverhoffte Wendung.
Der vormals wütende und aggressiv scheinende Herr war auf einmal nett und freundlich.
Kerstin unterhielt sich sehr lange mit ihm und fand heraus, dass er neu in der Gegend war.
Da er kein Deutsch sprechen konnte, lief das Gespräch in Englisch.
Er bekam ein Zelt, Schlafsack, Isomatte und natürlich Essen und Getränke.
Da er sich hier nicht auskannte, bekam er noch ein paar Kontaktadressen, an die er sich für weitere Hilfe wenden kann.
Die vormals schlechte Laune war einfach verschwunden.
Es war schön anzusehen, wie sich die anfängliche Situation ins Positive gedreht hat.
Das zeigt uns wieder einmal, dass nicht alles so ist, wie es scheint.
Warum der Herr vorher so schlecht drauf war, haben wir leider nicht erfahren können.
Muss uns auch nicht interessieren, wichtig ist, dass er Hilfe bekommen hat.
Unsere "alte Dame", Bärbel (Name geändert) winkte auch schon, als sie uns auf der anderen Straßenseite sah.
Auch sie war sehr hungrig.
Nach eigener Aussage hatte sie den Tag nur etwas zum Frühstück.
Suppe, Kaffee und Eistee machten sie glücklich.
Noch zwei weitere uns bis dato unbekannte Personen kamen hinzu.
Schon wieder war es eine kleine Runde von fünf Personen, von denen wir dem einen mehr, dem anderen weniger helfen durften.
Alles in allem wieder sehr schön.
In einem weiteren Ort fanden wir heute niemanden und so entschlossen wir uns, unsere Tour in Gevelsberg zu beenden.
Dort trafen wir aber noch auf Udo.
Udo ist der Herr, dem es körperlich sehr schlecht geht, die Situation aber akzeptiert hat.
Bei einem Kaffee sprachen wir recht lange über das, was scheinbar unaufhaltsam ist.
Wir konnten Udo aber überzeugen, noch einmal zu einem Arzt zu gehen, da er laut eigener Aussage, viel verwirrendes Zeug zu hören bekommen hatte.
Auf einmal holte Udo das Portemonnaie raus und wollte uns 5 Euro spenden.
Ganz lieb gemeint, konnten wir aber bei dem unwillkürlichen Blick in seine Geldbörse nicht annehmen.
Irgendwann mussten wir auch dieses Gespräch beenden, da es für uns an der Zeit war ins Bett zu gehen.
Gute Nacht, Kerstin und Andreas vom Lichtschmiede e. V. Team