16. Oktober 2022

Das Problem, dass er auf der Straße saß, gab es aber noch immer

Hallo zusammen,
da wir gestern unseren Bekannten ein paar sinnvolle und dringend benötigte Hilfsmittel, die das Leben auf der Straße etwas erträglicher machen, zugesagt hatten, ging es heute ans Verteilen.
Allerdings fuhren wir zuerst nach Witten. Drei von uns versorgte Herren konnten wir schon längere Zeit nicht mehr auffinden. Trotzdem schauen wir regelmäßig nach ihnen. Heute waren zwei dieser Herren wieder da und konnten uns auch Auskunft über den dritten geben. Jetzt sind wir wieder beruhigt. Essen und Getränke wurden wieder gern genommen und Zeit für eine kleine Unterhaltung hatten wir auch.
Nächster Halt war Hagen. Ein Herr hatte uns gestern gebeten, auch heute wieder zu kommen. Sonntags fällt es ihm immer schwer, etwas zu essen zu finden. Als wir ankamen, wartete er bereits auf uns und freute sich über etwas Warmes zu essen. Nach einer Runde durch Hagen ging es nach Wuppertal.
Dort hatten wir zwei Herren ein Zelt und einem anderen eine große Gewebeplane versprochen. Socken und Unterwäsche hatten wir ebenfalls im Gepäck und natürlich gab es etwas zu essen. Angefangen in Oberbarmen, endete die Tour durch das Tal dieses Mal in Vohwinkel. Alles in allem war es heute ruhiger als gewöhnlich.
In Vohwinkel ging es nach intensiver aber erfolgloser Suche auf die Autobahn nach Hause. In Gevelsberg angekommen fuhren wir noch eine Runde durch die City. Welch ein Glück! Am Anfang einer Sackgasse lag ein uns bekannter Mann auf der Straße. Sofort rechts ran und raus aus dem Auto, war die Devise. Das machte aber leider sonst keiner. Selbst die, die sahen, dass ich den angetrunkenen Herrn nicht wieder alleine auf die Beine bekam, hielten nicht an. Da der Herr ansprechbar war und reagierte, kam ich seinem Wunsch nach und rief keinen Rettungsdienst. Das Problem, dass er auf der Straße saß, gab es aber noch immer.
Zum Glück ging unser Tom noch ans Telefon und kam uns zu Hilfe. Zu zweit schafften wir es, Dieter (Name geändert) von der Straße zu bewegen. Nach zwei Zigaretten und etwas Smalltalk war er wieder besser drauf und wollte die letzten paar Meter zu seiner Schlafstelle gehen. Als wir das Gefühl hatten, dass er das auch schafft, verabschiedeten wir uns und machten Feierabend. Nachdenklich macht mich nur, wie viele Leute vorbeigefahren sind, ohne auch nur einmal nachzufragen, ob sie helfen können.
Schade, schade...
Gute Nacht, Tom und Andreas vom Lichtschmiede e. V. Team