15. Oktober 2022

Wir halten unsere Versprechen, und zwar immer

Hallo zusammen,
nach einer Woche Entzug, bedingt durch die Arbeit, konnte ich endlich wieder raus. Heute begleitete mich Isabelle.
Gestartet in Hattingen war der nächste Stopp in Hagen. Von hier meldete sich Thomas (Name geändert). Nachdem wir uns ein wenig verfahren und den Blick über die Stadt genossen hatten, fanden wir ans Ziel. Heute ging es ihm nicht so gut und er hatte Hunger. Letzteres konnten wir schnell ändern. Wir merkten aber auch, dass es ihm nicht nur um das Essen ging. Er war sehr froh über unseren Besuch und die Aufmerksamkeit. Oft fühlt er sich einsam und lässt einen ungern gehen.
Selbst wenn sich Obdachlose in kleinen Gruppen oder auch nur mit einer anderen Person zusammen tun, kämpft letztendlich jeder für sich selbst. Natürlich helfen sie sich auch untereinander, doch tiefe Freundschaften gibt es leider nur selten.
Nachdem wir Thomas helfen durften, fuhren wir noch zwei weitere Stellen in Hagen an. Die Damen und Herren nahmen auch hier gerne Kaffee und Suppen. Als wir in Hagen an allen Stellen nachgeschaut hatten, ging es auf dem direkten Weg nach Wuppertal Vohwinkel.
In einem kleinen Park fiel uns ein Mann auf. Er versicherte uns aber, dass er eine Wohnung und auch Arbeit hat, und nur so dort sitzt. Wir entschuldigten uns für die Annahme, dass er obdachlos sei und fuhren weiter. Auch das passiert, aber lieber gefragt als nicht hingeschaut.
Danach ging es noch nach Elberfeld, Barmen und Oberbarmen. Mehreren Personen durften wir noch helfen. Ganz besonders gefreut hat uns eine Dame, die sonst nichts annimmt und dem Gespräch immer wieder aus dem Weg geht. Ja, sie scheint ein wenig durcheinander zu sein, aber langsam baut sie zu uns Vertrauen auf. Sie nahm Kaffee und Suppe und blieb sogar bei uns stehen und erzählte von ihren Problemen. Weitere zwei Personen, die sitzend im Bahnhof schliefen, benötigten nach eigenen Angaben nichts. Zwei andere Herren brauchen ein Zelt, welches wir ihnen morgen bringen. Jemand anderes hatte ihnen, so wie sie sagten, ein Zelt versprochen, es aber nie dort abgegeben.
Es ist wie es ist, wir halten unsere Versprechen, und zwar immer. Was wir nicht garantieren können, versprechen wir nicht und was wir versprechen, wird auch gemacht. Nur so baut man Vertrauen auf. Von Wuppertal ging es dann über Schwelm nach Hattingen, wo wir die Tour beendeten.
Es war schön endlich wieder raus fahren zu können. Gute Nacht, Isabelle und Andreas vom Lichtschmiede e. V. Team