25. Februar 2026

Sind sie aufgrund dessen auf der Straße oder haben sich die Eigenarten durch das Leben auf der Straße entwickelt?

Gut, dass Wuppertal eh heute auf dem Plan steht. Frank hatte einen obdachlosen Mann getroffen, den wir auf dem Weg nach Wuppertal nun besuchen.

Er ist noch nicht lange auf der Straße und will so schnell wie möglich wieder zurück, steht bereits mit Ämtern in Kontakt. Er erhält ein Handy, Flyer und Visitenkarte der Lichtschmiede, wir bleiben in Kontakt.

Die weitere Tour verläuft ruhig, einige Bekannte, die sich zuverlässig an ihren Plätzen aufhielten, sind verschwunden. Jetzt, seit es deutlich wärmer ist, sind viele wieder länger unterwegs, andere dagegen schlafen tief und fest. Dennoch treffen wir immer mal wieder auf Menschen, die das eine oder andere aus unserem Vorrat benötigen.

Da ist der Herr, der zwar nichts möchte, der jedoch sehr viel zu erzählen hat. Leider zahnlos und schwer alkoholisiert verstehen Frank und ich immer nur einzelne Worte, obwohl er seine Sätze ständig wiederholt. Egal – er erwartet keine Antwort und wir nicken freundlich. Manchmal ist Zuhören genauso wichtig, wie die Ausgabe von Essen und Trinken!

Und dann ist da die Dame, die rasend schnell und ohne Punkt und Komma spricht und uns mit Informationen überschüttet. Sie sagt, dass sie uns schon vermisst hat, wir erklären ihr, dass wir vor kurzem bei ihr waren, sie aber fest geschlafen hat und wir sie nicht wecken wollten. Dafür ist sie sehr dankbar, sie schläft immer nur kurz, dafür sehr tief.

Die Menschen draußen müssen schlafen, sie brauchen die Kraft, um auf der Straße überleben zu können. Am Bahnhof ist zunächst niemand Bedürftiges zu sehen, doch plötzlich kommen sie von überall her: Menschen unterschiedlichen Alters, unterschiedlichen Zustands, mit unterschiedlichen Bedürfnissen.

Frank und ich haben gut zu tun, nehmen uns aber auch Zeit für kurze Gespräche und es gibt immer wieder was zu lachen. Obdachlose Menschen wollen keine Sonderbehandlung, sie wollen einfach wie Menschen gesehen und behandelt werden. Und dazu gehört auch mal rumalbern und herzlich lachen. Heute gibt es ein kleines Musikquiz und zwischen Terrinen und Kaffee bereiten muss ich auch noch singen. Ich bleibe besser bei dem, wozu ich hier bin.

Als auch der letzte Nachzügler versorgt ist, fahren wir weiter, noch mal kurz schauen, ob eine Bekannte an ihrem Stammplatz sitzt und dann Richtung Lager. Es gibt nur ein Problem: Die Thermoskannen sind leer.

Wir treffen tatsächlich jemanden an, es kommen weitere Herren hinzu – also brauchen wir definitiv heißes Wasser. Schräg gegenüber befindet sich ein Hotel, wo man mir mit der größten Selbstverständlichkeit eine Thermoskanne auffüllt – nach zunächst irritierten Blicken: Mitten in der Nacht eine Frau mit einer Thermoskanne in einer Hotelhalle? Nicht gerade alltäglich.

Einer unserer Gäste steht bibbernd in einem kurzärmligen T-Shirt am Wagen – klar können wir mit wärmerer Kleidung helfen. Er hat Wortfindungsschwierigkeiten, überlegt jedes Mal angestrengt, wie das heißt, was er haben möchte. Ich helfe ihm und rate. Liege ich richtig, ist er völlig begeistert.

Wir haben auf dieser Tour mal wieder einige Menschen mit speziellen Eigenarten getroffen. Sind sie aufgrund dessen auf der Straße oder haben sich die Eigenarten durch das Leben auf der Straße entwickelt? Vermutlich sowohl als auch. Auch das macht dieses Ehrenamt aus: Die Begegnung mit unterschiedlichsten Menschen, ihnen zuzuhören, zu trösten, zu lachen, ihnen das Gefühl zu geben, auf Augenhöhe zu stehen.

Passt gut auf euch auf

Frank und Karin

von der Lichtschmiede e. V.