24. April 2026
Aber eigentlich geht es ihm nicht um den Verdienst, sondern um die Aufgabe
Wir trafen uns zur gewohnten Zeit am Lager, um für die Tour zu packen. Dabei mussten wir uns, wie immer, stark konzentrieren: "Haben wir auch nichts vergessen?" Noch mal kontrollieren. Und dann los.
Auf der Fahrt unterhielten wir uns über einen Strassenmenschen, den Sabine nachmittags in der Parkgarage eines Supermarktes angetroffen hatte. Er sorgt dort für "Ordnung": stehengelassene Einkaufswagen zurückbringen, Müll aufsammeln. Das alles für ein paar zusätzliche, gespendete Euros. Aber eigentlich geht es ihm nicht um den Verdienst, sondern um die Aufgabe.
"Es macht mich einfach wütend, wenn ich sehe, wie da alles vermüllt wird, die Wagen rumstehen," erzählte er uns, als wir ihn später trafen. Natürlich strukturiert dieser "Job" auch seinen Tag und gibt ihm das Gefühl, gebraucht zu werden. Hoffentlich hält die Motivation noch lange an. Wir wünschen es ihm wirklich sehr.
Die Tour zu den bekannten und auch neuen Anlaufstellen verlief an diesem Abend sehr entspannt und das lag nicht an mangelnder 'Kundschaft'. Viele Bedürftige an unserem Wagen hatten großen Hunger und waren wirklich sehr dankbar dafür, dass wir auch noch eine zweite Terrine für sie anrührten. Aber alle waren geduldig und so konnten wir uns auch Zeit für Gespräche nehmen. So wichtig!
Ein Bekannter kam mit einem Trolley, an dem das Tunnelzelt befestigt war, das wir ihm in der letzten Woche übergeben hatten. Er hatte einfach noch keinen Ort gefunden, an dem er es aufstellen könnte. Das ist natürlich ein Problem, denn viele von den altbekannten Plätzen sind inzwischen geräumt worden.
"Ich sag euch auf jeden Fall Bescheid, wenn ich was gefunden habe, damit ihr dann wisst, wo ich bin." Wir sind gespannt und hoffen, dass das Zelt bald aufgebaut werden kann.
An diesem Abend fragten noch drei weitere Obdachlose nach einem Zelt. Zum Glück hatten wir so viele eingepackt und konnten helfen. Aber nun beginnt für die drei auch erst einmal die Standortsuche. Es bleibt spannend.
Weit nach Mitternacht fuhren wir zurück zum Lager. Auf dem Weg machten wir noch einen Zwischenstopp bei dem Menschen, der eingehüllt in seine Decken, immer wunschlos glücklich ist, sich aber sichtbar freut, wenn wir einfach nur vorbeikommen. "Ihr dürft mich auch wecken." Und das machten wir.
Passt gut auf euch auf.
Sabine und Monika
vom Team Lichtschmiede e. V.