22. Mai 2026

Kein Problem, das kriegen wir hin

Es duftete wieder nach Backwaren in unserem Auto, als wir vom Lager aus Richtung Wuppertal aufbrachen.

Wir hatten vorab eine Anfrage aus einer Notunterkunft in Schwelm bekommen. Dort benötigte jemand dringend Schuhe in Größe 46 und, wie er schrieb, 'ein paar Lebensmittel'.

Wir fanden im Lager nach längerem Suchen auch tatsächlich noch ein Paar passende Schuhe. Leider trafen wir ihn dann aber nicht an und konnten ihn auch telefonisch nicht erreichen. Wir versuchen es weiter.

Unsere alte Bekannte in Vohwinkel nahm wieder nichts aus unserer Backwaren-Box. Sie ist immer sehr genügsam, freut sich über einen Kaffee, Wasser und eine Tüte Haribos.

Sie saß auf ihrer Bank und aufgrund der Wärme an diesem Abend trug sie nur ein ärmelloses Top. Unser Blick fiel sofort auf die unzähligen roten Flecken auf ihrer Haut. Schon in den vergangenen Monaten waren sie uns gelegentlich aufgefallen, aber durch die Kleidung grösstenteils verdeckt geblieben. Wir sprachen sie nicht darauf an, waren uns noch unsicher, wie wir diesen Hautausschlag sensibel thematisieren könnten. Es ist immer einfacher Verletzungen direkt anzusprechen als Hautkrankheiten. Auf jeden Fall sollte sie damit aber unbedingt einen Arzt aufsuchen und beim nächsten Besuch werden wir sie vorsichtig, aber bestimmt, darauf hinweisen.

In der Innenstadt leerten sich dann nicht nur die Backwaren sehr schnell. Vor allem Wasserflaschen fanden neben den üblichen Terrinen viele Abnehmer an diesem warmen Sommerabend.

Vor einem Kaufhaus lag wieder der obdachlose Mann, der Französisch als Muttersprache, Englisch, Italienisch, Spanisch und kein Deutsch spricht, wie er uns mitteilte. Kein Problem, das kriegen wir hin. Und als wir uns verabschiedeten, rührte er zufrieden in seiner Nudelterrine und freute sich über ein paar neue Socken und Unterhosen.

Am Bahnhof drubbelte es sich wie immer und wir hatten Mühe, den Überblick zu behalten. Aber: Erst mal Kaffee für alle, ein Croissant, eine Mohnschnecke dazu und dann ging es weiter, einer nach dem anderen.

Bleibt auch ihr alle entspannt und passt gut auf euch auf.

Monika und Olaf

vom Team Lichtschmiede e. V.