12. Juni 2026

Jeder Mensch braucht etwas anderes

Unsere Tour an der Wupper startete in Vohwinkel, wo wir zwei alte Bekannte versorgen konnten. "Wie immer?" war dann auch unsere Frage, als wir den Kofferraum unseres gut gefüllten Vereinswagens öffneten.

Terrine, Kaffee, Wasser, Haribos - immer die gleiche Auswahl und immer ein herzliches "Dankeschön". Nie fragen sie nach anderen Dingen.

Bei unseren Touren begegnen uns ganz unterschiedliche Menschen mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen: Da sind z.B. die Obdachlosen, die einfach nur da sitzen, sich freuen, wenn wir kommen und nur reden wollen.

Es gibt die, die schon friedlich schlafen, satt sind, vielleicht schon Hilfe von anderen bekommen haben.

Und dann gibt es die, die freundlich nach Unterstützung fragen, die wirklich etwas brauchen und die sich nebenbei über ein Gespräch freuen. Das ist die größte Gruppe.

Und es gibt auch die wenigen, die sehr fordernd sind.

Dieser Gegensatz prägt unsere Touren und zeigt, wie vielschichtig die Lebensrealitäten sind.

Wir fuhren gezielt die Schlafstelle eines Strassenmenschen an, der bis vor kurzem noch mit Partnerin in der Fußgängerzone gesessen hat. Jetzt gehen sie getrennte Wege. Auf Zuruf kam nur ein "Nein, ich brauche nichts", und dann drehte er sich um und schlief weiter. Es scheint ihm nicht gutzugehen, denn wir kennen ihn als sehr gesprächigen Zeitgenossen. Ok, manchmal will man eben nur alleine sein.

Am Bahnhof, wo sich unsere Kannen mit heißem Wasser wieder schnell leerten, gab uns eine Frau den Tipp, einen Ort anzufahren, an dem eine ältere Frau sitzen würde, neu auf der Strasse und offensichtlich sehr bedürftig. Sie tat ihr leid.

Als wir die Dame trafen, hatte sie aber schon eine Matte und einen Schlafsack bekommen. Wir konnten ihr dann noch mit Essen, Trinken, Socken und Feuchttüchern helfen, sodass die neue Situation nun hoffentlich etwas erträglicher ist.

In der Fußgängerzone saßen ein Mann und eine Frau nicht weit voneinander entfernt in Hauseingängen. Während er sich, wie immer, über etwas Warmes zu essen freute, wollte die Dame gar nichts. Sie wirkte psychisch stark verwirrt, redete ununterbrochen auf uns ein, doch wir konnten inhaltlich nichts von dem verstehen, was sie sagte - gar nichts. Dabei wirkte sie sehr fröhlich und winkte äußerst lebhaft, als wir uns verabschiedeten. Irgendwie in einer eigenen Welt, aber glücklich über jede Ansprache von außen. Es ist offensichtlich, dass ihr psychischer Zustand eine große Rolle dabei spielt, warum sie auf der Straße lebt.

Nach Mitternacht fuhren wir zufrieden zum Lager zurück.

"Hilfe, die ankommt", bei den unterschiedlichsten Menschen auf der Straße, in unterschiedlichen Lebensrealitäten.

Passt gut auf euch auf.

Sabine und Monika
vom Team Lichtschmiede e. V.