08. Oktober 2026

Auf Augenhöhe

Olaf und ich können für die Witten-Hagen-Tour heute wieder dank der fleißigen FoodSafer (vielen Dank!) leckere Extras packen: jede Menge Backwaren und Obst! Mit Vorfreude auf das Verteilen starten wir Richtung Witten.

Gleich die erste Anlaufstelle ist erfolgreich: Ein Herr in offensichtlich nicht sehr gutem Zustand liegt zusammengekrümmt auf einer Decke, ein kleines Handtuch halb über das Gesicht gelegt. Ein erbarmungswürdiger Anblick, der uns trotz der vielen Touren immer noch berührt.

Wie so oft gibt’s Probleme mit der Sprache, er sagt immer wieder „Nein“, scheint Angst zu haben. Olaf hockt sich hin und fragt erneut ruhig nach, ob er nicht doch zumindest einen Schlafsack haben möchte. Jetzt – auf Augenhöhe – fasst er Vertrauen und nickt.

Wir bieten ihm noch einiges an und bringen das, bei dem er genickt hat, an seinen Platz. Wir packen den Schlafsack aus und decken ihn damit zu, immer wieder bedankt er sich. Wir helfen gerne.

Beim nächsten Stopp finden wir zwei Herren, der eine benötigt nichts, der andere schläft – wir möchten ihn nicht wecken.

Dann läuft uns eines unserer „Sorgenkinder“ über den Weg – die Frage nach dem Krankenhausaufenthalt können wir uns also sparen. Den angebotenen größeren Rucksack lehnt er ab – er müsste dann zu viel mit sich rumschleppen, das schafft er nicht. Er gehört zu den Menschen, die auf ihre Sachen achten, sie immer mitnehmen.

Im Gegensatz dazu gibt es dann die, die immer wieder nach neuen Sachen (Ruck-/Schlafsäcke, Isomatten) fragen, weil sie sie irgendwo liegen lassen und sich dann beklagen, dass sie geklaut oder einfach weggeräumt wurden. Das ist natürlich ärgerlich, gerade weil diese Sachen nicht billig sind.

Wir treffen auf einen weiteren unserer Bekannten, der offenbar an seinem aktuellen Aufenthaltsort geduldet wird, so häuslich ist er eingerichtet. Er wird versorgt und auf der Weiterfahrt sprechen wir darüber, wie gut es ist, dass obdachlose Menschen nicht immer nur vertrieben werden. Allerdings liegt es natürlich auch manches Mal an ihnen selbst.

In Hagen liegen die drei Herren wieder schlafend an derselben Stelle wie am Sonntag. Zwei richten sich sofort auf, als wir neben ihnen halten. Das „Sorgenkind“ schläft, völlig zugedeckt, tief und fest weiter, nur ein Fuß lugt heraus, ein Turnschuh liegt daneben.

Einer der Herren informiert uns, dass jetzt auch sein Fuß (und nicht nur das Bein) entzündet ist, sie hätten aber Schmerztabletten bekommen. Nach wie vor ist das Krankenhaus für ihn keine Option, es würde Amputation bedeuten…

Olaf bereitet am Wagen Terrinen vor, ich verteile Obst und Backwaren – sehr zur Freude der beiden – als mit lautem Rufen und Johlen zwei junge Männer am Wagen auftauchen, die offenbar großen Hunger haben.

Ein Einsatzwagen der Polizei fährt langsam heran, beobachtet die Szene, stoppt: „Alles ok?“ – „Ja, klar!“ Die Polizistin kennt ihre Pappenheimer!

Hiermit ein großes Dankeschön an die Hagener Polizei für ihre Aufmerksamkeit!

Letzte Station: Hauptbahnhof. Der Wagen ist noch nicht geparkt, als die ersten unserer Gäste schon eilig auf uns zukommen.

Während Olaf am Kofferraum die Ausgabe macht, versorge ich einen unserer Bekannten, einen vor Kälte zitternden jungen Mann im T-Shirt, mit einem warmen Pulli und einer wärmenden Jacke. Große Begeisterung der anderen, wie schick er jetzt ist und dass er endlich nicht mehr frieren muss – und das Zittern hört allmählich auf.

Ein Herr, der zu unseren Stammgästen gehört, erzählt, dass er einige Zeit im Krankenhaus war und jetzt Schlafsack, Isomatte und Rucksack benötigt. Aufgrund einer körperlichen Beeinträchtigung braucht er Unterstützung bei der Bereitung seines Schlafplatzes – Ehrensache für Olaf und mich, ihm dabei zu helfen.

Und wieder war es eine gute Tour – zwar wieder mit Sorge um die „Sorgenkinder“, aber auch mit Freude bei der großzügigen Verteilung der Extras, Backwaren und Obst. Und wieder hat uns die Dankbarkeit unserer Gäste gezeigt, wie wichtig diese kleinen Dinge sein können.

Passt gut auf euch auf.

Olaf und Karin
vom Team Lichtschmiede e. V.