03. Juli 2026

Restaurant-Besteck

Die gespendeten Food-Save-Backwaren sind dieses Mal bereits verpackt, süße, gefüllte Kringel, die hervorragend duften. DANKE fürs Retten und Spenden!

Olaf hat fünf Kannen Heißwasser eingeplant, Wuppertal ist nicht nur als Stadt größer – auch, was die Anzahl obdachloser Menschen betrifft, übertrifft sie Hagen und den Ennepe-Ruhr-Kreis. Auf den letzten Drücker beschließe ich, auch noch eine Tasche Pullis einzupacken – die Nächte sind zurzeit wieder ziemlich frisch.

Erster Halt: Vohwinkel – und eine große Überraschung. Die Bank, auf der unsere Saures liebende Bekannte ihr Lager aufgeschlagen hat, ist verschwunden, die ganze Anlage eine Baustelle. Wir suchen zunächst kurz zu Fuß, dann mit dem Wagen die nähere Umgebung ab – ohne Erfolg. Wir bleiben dran, sie ist nicht die Einzige, die sich hier oft aufhält.

Der Besuch eines Bekannten, dessen Lager sehr versteckt und sicher ist, bleibt ebenfalls erfolglos. Also weiter zum nächsten Platz, dessen Bewohner aber auch noch unterwegs ist. Es ist noch lange hell, es ist warm, es sind Menschen unterwegs – die Chance, Geld zu erbetteln ist zu groß, als dass sie sie nicht nutzen würden.

Die Fußgängerzone in Wuppertal ist immer wieder eine Herausforderung. Die sehr schnell hochaggressive Dame ist an ihrem Stammplatz zusammen mit einem uns ebenfalls bekannten sehr ruhigen, bescheidenden Herrn. Olaf fragt die Dame, die rauchend an einer Mauer angelehnt sitzt und absolute Ablehnung ausstrahlt, trotzdem freundlich nach eventuellen Wünschen. Ob Menschen, die auf der Straße leben, freundlich, dankbar und zurückhaltend oder aggressiv, laut und ablehnend auftreten – sie brauchen trotzdem Hilfe. Hier ist es dieses Mal vergebens, der Herr ist allerdings froh, dass wir seine bescheidenen Wünsche erfüllen.

Den Herrn mit Hund und Fahrrad treffen wir leider nicht an, aber die Dame mit Hund, Fahrrad, Lichterketten, und vielem Krimskrams sitzt wieder mit den obligatorischen drei Stühlen an ihrem Stammplatz. Ein Stuhl für sie, einer für ihren Hund, einer für Gäste. Vor einiger Zeit belegte noch ihr Exfreund den dritten Stuhl, aber nach einer für sie laut ihrer Aussage besseren Trennung ist er hin und wieder von obdachlosen oder hilfsbedürftigen Menschen besetzt, die sie eine Zeit begleiten. Sie benötigt nichts von uns, ist vom Restaurant gegenüber inklusive geliehenem Besteck bestens versorgt. Restaurant-Besteck, kein Plastik. Eine kleine Geste, die so viel Respekt und Wertschätzung für einen Menschen, der auf der Straße lebt, zum Ausdruck bringt. Hochachtung vor gelebter Menschlichkeit. Wir können ihren Hund mit Leckerlies versorgen, dann geht es weiter.

Die Stadt ist voll von Menschen, die die Wärme nutzen, das Wochenende, sehen und gesehen werden, Musik dringt aus Restaurants, Wohlfühl- und Urlaubsstimmung pur. Im Schritttempo sind wir weiterhin auf der Suche nach denen, die unter ihnen sind, sich aber am Rande aufhalten und unserer Hilfe bedürfen.

Hauptbahnhof – wir werden bereits erwartet. Die fünf Kannen Heißwasser sind von Olaf gut geplant, der Ansturm ist groß. Einige Wünsche müssen wir zum wiederholten Male abweisen – wir sind keine und wollen es auch nicht sein: Eine Kleiderkammer. Ich kann jedoch aus unserem Pulloverfundus tatsächlich einiges ausgeben, ebenso T-Shirts, Unterwäsche, Socken.

Die süßen Kringel aus der Spende finden reißenden Absatz, der Krümeltee ist eine willkommene Abwechslung zum Mineralwasser, schlussendlich sind alle zufrieden – zumindest signalisiert das die entspannte Stimmung. Für uns ist noch nicht Feierabend, wir fahren noch einige Stellen ab, an denen sich Obdachlose aufgehalten haben oder aufhalten könnten.

Dann ist auch für uns das Ende der Tour gekommen.

Lager, Abschlusstätigkeiten, gemeinsames Losfahren, Warnblinkanlage und Lichthupe, als sich unsere Wege trennen – und wir sind alleine mit unseren Gedanken.

Passt gut auf euch auf!

Olaf und Karin

von der Lichtschmiede e. V.