27. September 2024
Daumen hoch
Wir fuhren an diesem Abend noch einmal die Stelle an, an der wir die letzten Male niemanden mehr angetroffen hatten. Ohne große Hoffnung riefen wir seinen Namen, schauten auf das zusammengefallene Zelt.
Und dann hörten wir das "Hier".
Gänzlich unerwartet und so schön.
Er lag in einem völlig durchnässten Schlafsack vor der Plane und wirkte auffallend verwirrt, erkannte uns aber sofort.
"Gott, freue ich mich euch zu sehen".
Es folgten wirre Geschichten. Wir werden nicht erfahren, wo er sich nun in der Zwischenzeit aufgehalten hat. Doch wir gaben ihm einen neuen, trockenen Schlafsack und überredeten ihn, sich doch bitte bei diesem Regen wieder unter das Zelt zu legen.
Am Bahnhof trafen wir einen Bekannten, der wegen einer Kopfverletzung zur Reha geht. Wir konnten ihn dafür noch mit einigen Hygieneartikeln, einer Jogginghose, Socken und Unterhosen ausrüsten. Zum Abschied umarmte er uns.
Eine Passantin, die das beobachtet hatte, drehte sich um und rief uns zu: "Ihr macht das so..." und Daumen hoch.
Ja, Umarmung ist auch Hilfe.
Ein anderer Bekannter konnte kaum noch laufen, weil seine Schuhe so schmerzten. Wir konnten ihn mit einem Paar Schuhen aus unserem Fundus erlösen. Sie passten und sahen auch noch gut aus.
Bei zwei Straßenmenschen, die wir regelmäßig besuchen, war in der Nähe eine Installation aus Stahl, Stoff und Glas aufgebaut.
"Kunst" wussten sie zu berichten.
Das war schon skurril, diese elitäre Kunstwelt neben der harten Realität der Obdachlosigkeit. Die Realität hieß Hunger, und wir konnten ihn mit einer Terrine stillen.
Am Ende der Tour waren unsere Vorräte stark geschrumpft und das ist immer das Zeichen dafür, dass wir vielen Menschen helfen konnten, die Hilfe brauchten.
Passt auf euch auf.
Sabine, Thomas und Monika
vom Team Lichtschmiede e. V.