14. Juni 2024

Das Leise im Straßengetöse

Überall Polizei, verstopfte Straßen, Hupkonzerte, Menschen, die auf die Straße liefen und die Insassen der Autos abklatschten. Und wir mit unserem Vereinswagen mittendrin im Fußballfieber.

Es war schwierig für uns, all die Orte zu erreichen, die wir regelmäßig anfahren. Aber wir schafften es – und wurden teilweise schon erwartet.

Eine alte Bekannte hatte uns angerufen und stand in Schlafanzughose, EM-Hut und umgehängter Deutschlandgirlande vor uns. Sie hat inzwischen zwar eine Wohnung, wirkte gesundheitlich aber schwer angeschlagen und bedürftiger denn je.

Oh Mann, sie ist noch jung. Aber Drogen und Alkohol machen sie kaputt – ob mit oder ohne Wohnung.

Am Bahnhof saß ein Straßenmensch auf einer Mauer. Er ist immer sehr zurückhaltend, manchmal fast abweisend.

"Ich habe auf euch gewartet."

Das war neu und ungewohnt verbindlich. Er hatte großen Hunger und benötigte Socken und Unterhosen. Sehr gerne!

Kurze Zeit später wurde unser Auto belagert und wir konnten gar nicht schnell genug Terrinen anrühren, Getränke, Süßes, Socken und Hygieneartikel ausgeben.

In einem Park versorgten Sanitäter eine Frau, die zuckend auf einer Trage lag und abtransportiert wurde. Wir konnten ihr Gesicht nicht erkennen. War sie die Freundin eines obdachlosen Bekannten?

Insgesamt war das Gelände sehr unübersichtlich und die Stimmung irgendwie aggressiv und skurril zugleich. Drei Männer beschimpften sich lautstark, der Rettungswagen, überall Polizei und dazu das ununterbrochene Hupen...

Ausnahmezustand in Wuppertal!

An unserem Vereinswagen versorgten wir einige Parkbewohner. Plötzlich kam eine junge Frau auf uns zu.

"Wo kann man denn hier spenden?"

Sie drückte uns 3 € in die Hand. Wir konnten uns gerade noch bedanken – so schnell war sie wieder verschwunden.

"Ihr habt ja richtig Spaß inne Backen wegen der paar Euro", bemerkte jemand laut. Ja, den hatten wir.

Jeder Betrag, ob klein oder groß, unterstützt uns bei dem, was wir tun möchten: obdachlosen und bedürftigen Menschen helfen.

Dazu muss man die Not erst einmal sehen, sich Gedanken machen und schließlich etwas abgeben. Genau das hatte die junge Frau getan.

Das war nicht laut. Das war leise und empathisch. Und es wirkte fast schon fremd neben dem lauten Straßengetöse um uns herum.

Passt auf euch auf.

Sabine und Monika

vom Team Lichtschmiede e. V.

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