05. Juli 2024

Momente, die im Kopf bleiben

Auf der heutigen Tour durch Wuppertal begleitete mich Thomas, der sich für unsere ehrenamtliche Tätigkeit in der Obdachlosenhilfe interessiert.

Nachdem wir einige grundlegende Dinge besprochen und das Vereinsauto gepackt hatten, ging es los.

Unser erster Halt war ein Bahnhof in Wuppertal, den wir regelmäßig anfahren. Dort hatten wir die letzten Male niemanden angetroffen. Heute war es anders: Ein Straßenmusiker spielte auf seiner Gitarre, ein junger Mann hörte zu.

Es stellte sich heraus, dass er seit einigen Tagen obdachlos war. Nur zu gerne erzählte er seine Geschichte: Aus dem Gefängnis entlassen, die Eltern verstorben und von der Freundin wegen einer neuen Liebe vor die Tür gesetzt. Er wollte wieder auf die Beine kommen, aber es war schwer ohne Familie und Freunde, die einen auffangen.

Einen Schlafsack und weiteres Equipment lehnte er ab.

"Es gibt viele, die es nötiger haben", sagte er immer wieder. "Ich habe noch etwas Geld, komme über die Runden."

Aber dass wir jetzt für ihn da waren, ihm zugehört hatten, war für ihn wichtiger als alles andere. Zum Abschied lieh er sich noch die Gitarre aus und spielte für uns ein Lied.

Das sind Momente, die im Kopf bleiben.

Nachdem wir sehr vielen Menschen mit allem helfen durften, was in der Nacht benötigt wurde, fuhren wir das letzte uns bekannte "Wohnzimmer" an.

Vor einem der selbst gebauten Zelte unter freiem Himmel brannte eine Kerze.

Das Zelt selbst war leer.

Wo war das Paar, mit dem wir uns häufig so lange unterhalten hatten? Sie wollten weg von der Straße. Hatten sie schon eine Wohnung gefunden?

Wir erfuhren gleich darauf die bittere Wahrheit von ihrem "Zeltnachbarn" und Freund: Unsere Bekannte hatte morgens einfach tot neben ihrem Begleiter gelegen. Sie hatte schon lange Zeit nichts mehr gegessen und sehr viel Alkohol getrunken.

Ja, die Terrine hatte sie immer abgelehnt. Sie wollte immer nur Wasser. Aber sie war so klar gewesen, so zuversichtlich, so voller Optimismus.

Und jetzt war sie einfach nicht mehr da.

Ihr Partner hatte die Unterkunft verlassen und war seitdem nicht mehr gesehen worden. Schock eben.

Und auch für uns alle von der Lichtschmiede war es ein ganz großer Schock.

Sehr traurig traten wir den Heimweg an.

Passt gut auf euch auf.

Thomas und Sabine

vom Team Lichtschmiede e. V.