24. Mai 2023

Wir sind immer froh, wenn wir wissen, dass es ihnen gut geht

Heute kamen wir zum ersten Stammtisch der Lichtschmiede e.V zusammen.
Da es in letzter Zeit einige neue Mitglieder gab, mich eingeschlossen, war es uns wichtig, einfach mal einen entspannten gemeinsamen Abend zu verbringen. Sich gegenseitig noch besser kennenlernen und bei gegrillten Leckereien zu reden und Spaß zu haben.
Wir trafen uns bei einem Mitglied im Garten und die Zeit verflog quasi. Da der Termin für den Stammtisch relativ kurzfristig war, konnten leider nicht alle Mitglieder teilnehmen. Aber es folgen nun in regelmäßigen Abständen weitere Stammtische. Es war ein richtig schöner Abend, der bestätigte, was wir aber schon wussten, wir sind ein super Team!
Für Björn und mich ging es dann noch auf Tour nach Wuppertal. Das Vereinsauto war schnell gepackt. Mit dabei hatten wir heute einen Karton mit gespendeten Leckereien. Kleine Chipstüten, Schokotörtchen, Mettwürstchen im Brotteig und verschiedenste Riegel. Mal was anderes kommt immer super an und unsere obdachlosen Freunde freuen sich dann immer sehr. Eine Besonderheit im tristen Alltag.
Wir fuhren erst einmal durch die Randgebiete, um dort zu schauen, ob jemand unsere Hilfe benötigt. Aber es war alles ruhig und wir trafen niemanden an. Danach fuhren wir zu einem Park, wo wir wissen, dass dort häufig einige unserer Freunde von der Straße sind. Aber auch dort war heute niemand von ihnen. Da wir sie aber auf unserer letzten Tour angetroffen haben und sie wohlauf waren, waren sie wohl einfach nur noch "unterwegs". Ja, wir machen uns Sorgen, wenn wir einige der Straßenmenschen längere Zeit nirgendwo antreffen.
Im guten Fall sind sie irgendwo untergekommen. Vielleicht mal ein paar Nächte bei einem Bekannten, der eine Wohnung hat. Mal etwas zur Ruhe kommen und wieder Kraft tanken, bevor es auf der Straße weiter geht. Das Leben auf der Straße ist sehr kräftezehrend und auch gefährlich.
Das haben wir in der Vergangenheit schon häufig erlebt. Krankheiten werden nicht behandelt. Häufig gibt es nicht mal eine Krankenversicherung. Auch Übergriffe auf Obdachlose sind keine Seltenheit. Wir sind immer froh, wenn wir wissen, dass es ihnen gut geht. So gut eben, wie es einem gehen kann, wenn die Straße das Zuhause ist.
Wir fuhren dann weiter Richtung Stadtmitte. Dort war für diese Uhrzeit noch viel los und wir trafen dann auch einige der Straßenmenschen und konnten ihnen mit Essen, heißem und kaltem Getränk und natürlich auch mit Süßem eine Freude bereiten. Und wie wir es uns schon dachten, die Chips und Mettwürstchen wurden liebend gerne genommen. An einer anderen Stelle wurde dringend noch ein Schlafsack benötigt und auch da war der Hunger groß.
Am nächsten Platz steht ein Umzug bevor und man macht sich sehr Gedanken, wie das logistisch zu lösen ist und wohin der Umzug gehen soll. Dort, wo sie jetzt sind, dürfen sie nicht bleiben. Man fühlt sich dort wohl. Es ist belebt und so ist die Sorge vor körperlichen Übergriffen nicht so groß. Eine Sorge, die allgegenwärtig ist, wenn man die Nächte draußen verbringt, ohne schützende Wände um einen herum. Nun muss ein anderer Platz gefunden werden. Ein Platz, an dem man sich auch wieder sicher fühlen kann und wo man geduldet wird. Es ist nicht einfach und auch wir können da nicht groß helfen. Aber wir können zuhören. Uns die Sorgen und Nöte anhören und Gedankenanstöße geben. Das Gefühl vermitteln, wir sind da. Ihr seid nicht alleine. Und egal wohin ihr nun umzieht, auch dort schauen wir nach euch.
Nachdem wir uns längere Zeit bei ihnen aufhielten, sie dann auch mit allem Nötigen versorgt waren, wollten wir noch nach unserem Sorgenkind schauen. Dort wurden wir schon mit den Worten empfangen, was habt ihr denn heute Leckeres für mich. Ich hab richtig Hunger. Also schnell Terrinen zubereitet und auch einen Kaffee. Egal wie spät es ist, Kaffee nimmt er immer gerne. Dann noch Süßes und auch Salziges.
Wir fuhren dann noch zu einem uns gut Bekannten und auch dort wurden wir, obwohl es nun schon sehr spät war, freudig empfangen. Er freut sich immer, egal wann wir kommen. Nachdem wir auch dort Hunger und Durst gestillt hatten, ging es für uns dann zurück nach Gevelsberg. Mit gutem Gefühl, die Nacht sinnvoll verbracht zu haben, aber auch müde.
Gute Nacht, Björn und Sabine vom Team Lichtschmiede e. V.