Endlich wieder raus auf die Straße und helfen, unterstützen, reden...
Eben da sein für die Straßenmenschen.
Sabine und ich waren mehrere Wochen nicht rausgefahren und jetzt, in einem anderen Team, konnten wir wieder dort weitermachen, wo wir aufgehört hatten.
Wir fuhren mit Andreas nach Wuppertal.
Bei unserem ersten Stopp trafen wir zwei obdachlose Menschen in einem Gebäude.
Wir kennen sie und wissen, dass sie sich über unseren Besuch freuen, die Terrine, Süßes und ein Getränk dankbar annehmen.
Heute hatten sie Besuch von einem Freund, der Stress mit seiner Frau hatte und deshalb die Nächte an diesem ungemütlichen Platz, auf einer Pappe liegend, verbringen musste.
Er war sehr zurückhaltend und misstrauisch, weil er nicht mit uns gerechnet hatte.
Er sagte nichts, aber wir konnten sehen, wie er sich über eine Terrine und ein Getränk freute.
Nachdem wir einen altbekannten Obdachlosen versorgt hatten, trafen wir in der Innenstadt auf eine obdachlose Frau, die nur "Süßes" wollte und die die Haribo-Tüte, die wir ihr gaben, so zelebrierte, dass es einfach nur Spaß machte, ihr beim Genießen zuzusehen.
Wir fragten sie nach einem gemeinsamen Bekannten, den wir lange nicht getroffen hatten und sie antwortete:"Der ist wohl auf Mallorca".
Das ist eben Humor!
Wie wir später erfuhren, ist er in der JVA.
Ja, das ist leider immer wieder eine Station für viele Straßenmenschen, deren Leben natürlich auch von Konsequenzen bestimmt wird.
An einem großen Platz trafen wir sehr viele obdachlose Bekannte und konnten viel Neues erfahren über ihre derzeitige Situation.
Wenn man zu dritt fährt, hat man viel Zeit, um zu reden und gleichzeitig alle entspannt mit dem zu versorgen, was sie gerade brauchen.
Ist ja nicht immer die Terrine, die jetzt lebensnotwendig ist, aber es ist die Anwesenheit, das Zuhören... das Da sein eben.
In einer Mauernische hatte sich ein anderer Obdachloser schon seit einiger Zeit ein Zuhause geschaffen.
Nun kann er eine Wohnung beziehen, aber er sucht immer wieder Gründe, die dagegen sprechen, malt Szenarien aus, die eintreten könnten.
Die Angst vor der Veränderung ist groß und wir konnten ihm nur zureden und hoffen sehr, dass er die Chance ergreift.
Auf dem Rückweg fuhren wir noch zwei Stellen an, an denen wir schon lange niemanden mehr angetroffen hatten, obwohl die Plätze ausgestattet waren für die Nacht auf der Straße. Heute hatten wir Glück. Unter einer Brücke trafen wir einen "neuen" Straßenmenschen an. Wir stellten uns vor und konnten ihm mit einem Wasser über die Nacht helfen.
Andreas bot ihm eine Kartusche an, zum Aufwärmen von Terrinen, Mahlzeiten, aber er hatte eine bessere Lösung: "Ich gehe immer an die Wupper, an ein Rohr für die Erdwärme und in dem ausströmenden Dampf mache ich mir meine Mahlzeiten warm".
Not macht ja so erfinderisch!
Am zweiten Platz lag auch jemand, tief schlafend und regelmäßig atmend.
Also alles gut.
Wir fuhren Sabine nach Hause und dann zurück.
Endlich wieder helfen können!
Wir bedanken uns.