21. April 2023

Die "Generation Instagram" gibt Hoffnung

"Oh Gott, ich bin geblitzt worden." Sabines Alptraum entpuppte sich aber als Gewitter. Blitze am Himmel eben.
So begann unsere Tour durch Wuppertal. Aber das Wetter wurde besser und die Straßenmenschen kamen aus ihren regengeschützten Verstecken.
An diesem Abend freuten sich viele über eine Terrine, einen Kaffee, Apfelschorle, Wasser und immer wieder über Haribos. Zweimal saßen wir schon nach einem Stopp im Auto, wollten gerade abfahren, da kam noch jemand gerannt, der Hunger hatte und nach einer Mahlzeit fragte. Ein junger Bekannter war nun wieder auf der Straße, nachdem er eine zeitlang bei Freunden untergekommen war. Schlafsack, Isomatte, Rucksack... Wir konnten ihn damit versorgen.
Einer anderen Bekannten brachten wir die versprochene Plane, die sofort gute Dienste tat. Auch der Hund bekam warme Kleidung: rosafarbener Rolli, warmer grauer Mantel. Sehr schick! Sabine war begeistert, dass die Sachen aus ihren Altbeständen so gut ankamen und fotografierte pausenlos den Hund. Wir führten viele Gespräche, hatten interessante Themen. Es war eine sehr entspannte Stimmung.
Als Björn zum wiederholten Male das ziemlich saubere Tablett abwischte, das wir als Unterlage nutzen, berichtete ein obdachloser Bekannter, dass jeder von ihnen, der eine Zelle in der JVA betreten müsse, diese erst einmal reinigen würde. Eine obdachlose Frau erzählte, dass sie nicht im Schwimmbad duschen möchte, weil dort die Duschen evtl. nicht vorher desinfiziert würden. Es klingt paradox, aber Obdachlosigkeit heisst nicht automatisch, dass man das Gefühl für Hygiene verliert. Manchmal muss man aufgrund der Umstände darauf verzichten, aber das Verlangen danach bleibt, jedenfalls bei vielen.
Die beiden obdachlosen Freundinnen berichteten uns, wie viele Menschen ihnen etwas zu essen bringen: einen Kaffee, ein Croissant zum Frühstück, eine Pizza. Und sie wissen das sehr zu schätzen!
Was wir auch beobachtet haben bei unseren Touren: Es sind so viele junge Menschen, die stehenbleiben, offen und ohne Berührungsängste, ganz selbstverständlich. Oft auch nur zum Reden. Solche, die auch immer wieder auf uns zukommen und sich bedanken, dass wir helfen, ihr Interesse zeigen, Fragen stellen, unsere Visitenkarten mitnehmen, spenden.
Björn, der selbst jahrelang auf der Strasse gelebt hatte, berichtete von Jugendlichen, die ihm ihr Pausenbrot angeboten haben. Die vermeintlich "megacoolen Jungs", die oft kamen und fragten, ob sie ihm etwas bringen könnten und echte Anteilnahme zeigten.
Die "Generation Instagram" gibt Hoffnung. Die Welt ist menschlicher, emphatischer geworden. Man muss es nur sehen.
Sabine, Björn und Monika vom Team Lichtschmiede e. V.