Nachdem wir uns im Vorfeld mit dem Team von "Niederwenigern hilft" abgestimmt hatten, hieß es für uns, wir fahren Wuppertal an.
Das Team von "Niederwenigern hilft" steuerte Bochum, Hagen und umliegende Orte an.
So war sichergestellt, dass keiner unserer Freunde von der Straße an diesem Himmelfahrtstag unversorgt bleiben würde.
Die Kooperation mit "Niederwenigern hilft " ist ein Gewinn und ganz toll und wertvoll.
Die mit viel Liebe und frischen hochwertigen Zutaten von Michael zubereiteten Speisen sind immer ganz besonders beliebt.
Bevor wir nach Wuppertal starteten, ging es für uns aber noch nach Ennepetal.
Ein gut bekannter Straßenmensch, von dem wir längere Zeit nichts gehört hatten, hat sich gemeldet.
Er hatte Hunger.
Den ganzen Tag noch nichts in den Bauch bekommen.
Er war längere Zeit im Krankenhaus gewesen und nun war sein Zelt kaputt und auch Schlafsack und Isomatte nicht mehr so, dass er darin schlafen konnte.
Für Björn und mich war es schon etwas abenteuerlich, ihn zu finden.
Wir kannten diesen Platz noch nicht und wir mussten das Auto stehen lassen und uns zu Fuß weiter auf den Weg machen.
Aber als wir ihn dann trafen, war die Freude groß.
Er begleitete uns zum Auto und dort gab es erstmal zu essen und einen heißen Kaffee.
In der Nähe unseres Autos stand eine Bank.
Dorthin setzen wir uns gemeinsam und er erzählte.
Von seinem Krankenhausaufenthalt und von den vielen Zecken, die ihn immer wieder heimsuchen.
Er zeigte uns seine Arme, wo er welche entfernt hatte und dicke Knubbel zu sehen waren.
Und viele Blindschleichen sind dort im Wald auch seine direkten Nachbarn.
Wir können leider nichts gegen die Zecken machen, aber zumindest konnten wir mit neuem Zelt, Isomatte, Schlafsack und kleiner Lampe etwas helfen.
Als wir uns dann verabschiedeten, bedankte er sich immer wieder.
Unser erstes Ziel in Wuppertal war Vohwinkel.
Nachdem wir dort niemanden antrafen, ging es weiter nach Elberfeld.
Dort angekommen suchten wir erstmal einen unserer Freunde von der Straße.
Als wir ihn das letzte Mal sahen, ging es ihm nicht gut und wir machen uns Sorgen, was nun mit ihm ist.
Leider haben wir ihn wieder nicht gefunden.
Aber wir werden weiter nach ihm Ausschau halten.
Danach fuhren wir zum Bahnhof.
Kaum waren wir aus dem Auto gestiegen, hörten wir jemanden rufen.
Eine uns gut bekannte Frau stand dort mit Rettungssanitätern.
Sie war angegriffen worden, erst beleidigt und dann auch körperlich.
Auch wenn sie keine gravierenden Verletzungen davongetragen hat, ging es ihr gar nicht gut.
Die Psyche, schon lange vorher angegriffen durch das Leben auf der Straße.
Sie war so froh uns zu sehen.
Wir nahmen sie mit zum Vereinsauto und redeten lange.
Danach wollte sie sich auf den Weg zu ihrem Wohnzimmer auf der Straße machen.
Wir versprachen, später dort noch vorbei zu schauen.
Inzwischen waren immer mehr Straßenmenschen zu uns gekommen und wir versorgten alle mit dem, was sie benötigten.
Zelt, Schlafsack, Isomatte, Hoodie, Terrinen, heiße und kalte Getränke, sowie Süßes.
Dazu noch viele Gespräche über Sorgen und Nöte.
Tiefgehende Gespräche.
Als wir dort alle gut versorgt wussten, fuhren wir weitere uns bekannte Stellen an und durften auch dort helfen.
Einen unserer Freunde trafen wir ohne Schlafsack liegend in einem Geschäftseingang.
Der Schlafsack war ihm geklaut worden, aber er meinte nur "Ach... geht schon".
Natürlich bekam er von uns einen neuen.
Es war nun schon sehr spät, aber wir mussten ja noch unser Versprechen halten, zum Schlafplatz unserer Bekannten zu fahren, die wir vorher schon am Bahnhof getroffen hatten.
Sie war nicht da und sofort machten wir uns Sorgen.
Also wieder los und suchen.
Als wir sie dann endlich fanden, waren wir sehr erleichtert.
Als Frau alleine nachts unterwegs und dann noch in nicht gutem Zustand.
Das ist einfach gefährlich.
Nun begleiteten wir sie zu ihrem Wohnzimmer auf der Straße, blieben dort noch und redeten mit ihr, bis sie zur Ruhe kam und eine Freundin versprach, bei ihr zu bleiben.
Es war nun 2:30 Uhr und Björn und ich fuhren nachdenklich zurück nach Gevelsberg, um dort das Vereinsauto abzustellen und dann selbst nach Hause.
Die Nächte, die wir auf der Straße bei unseren Freunden verbringen, sind so unterschiedlich.
Man weiß nie vorher, was passiert.
Diese Nacht dominierten ernste Gespräche und viel Traurigkeit.
Passt gut auf euch auf. Björn und Sabine vom Team Lichtschmiede e. V.