02. Mai 2023

Frauen auf der Straße sind häufig gewalttätigen Übergriffen ausgesetzt

Wir fuhren nach Wuppertal und mussten erst einmal einkaufen: Wasser, Apfelschorle und Terrinen. Sabine favorisierte den Kartoffeltopf mit Blattspinat. Ich, Monika, war da sehr skeptisch, denn Blattspinat ist erfahrungsgemäß eher ein Gemüse, das fast nur Frauen bevorzugen. Wir konnten uns auf zwei "Spinat-Versuchsterrinen" einigen, der Rest war dann altbewährt.
Auf der Straße sind ca. 30 Prozent aller Obdachlosen Frauen. Auf unseren Touren treffen wir prozentual weit weniger an. An diesem Abend waren unter den vielen Strassenmenschen, die wir versorgen konnten, nur 3 Frauen.
Und eine Terrine mit dem grünen Gemüse wurde dann auch gerne von einer weiblichen Obdachlosen genommen. Von den männlichen Straßenmenschen hörten wir Sätze wie: "Nein danke, die werder ihr sicherlich heute noch woanders los. Nehme lieber eine andere." Frauen auf der Straße sind häufig gewalttätigen Übergriffen ausgesetzt. Eine der Frauen fragte nach einem Schlafsack. Ihr sei immer kalt, auch, weil sie wenig schlafe vor lauter Angst. Ihre männliche Begleitung sei dabei keine wirkliche Beruhigung, kein Schutz.
"Nachts sind oft seltsame Typen in Gruppen unterwegs. Ich habe schon das eine oder andere schreckliche Erlebnis hinter mir. Und da hat mir niemand geholfen."
Wir gaben ihr gerne den Schlafsack, der wenigstens etwas mehr vor der Kälte schützt. Die beiden Damen, die sich mitten in der Stadt mit all ihrem Hab und Gut immer mehr ausbreiten, werden von anderen Obdachlosen kritisch beäugt. Als wir einem alten Bekannten, der seit kurzem wieder auf freiem Fuß ist, eine Jacke, ein T-Shirt, Socken etc. brachten, wunderte er sich darüber, dass die Frauen nicht "verscheucht" würden vom Ordnungsamt. "Die haben wohl einen Bonus, weil es Frauen sind. Wenn wir uns so breit machen würden, wären wir schon lange aufgefordert worden, den Platz zu räumen." Ja, wir hoffen wirklich sehr, dass sie einen Duldungsbonus haben. Außerhalb der beleuchteten Fußgängerzone, in einer Seitenstraße, in einem Parkhaus oder irgendwo abseits wären sie unter Umständen nicht sicher.
Mit nur wenigen Terrinen, darunter einer mit Spinat, fuhren wir gegen 24 h wieder zurück. Wir hoffen, dass wir wenigstens für den Augenblick helfen konnten, auch wenn wir niemanden beschützen können.
Sabine und Monika vom Team Lichtschmiede e. V.