"Huch, was ist denn hier los?"
Das war unsere Reaktion beim Betreten des kleinen Wuppertaler Bahnhofs.
In der Ecke, in der wir eine uns bekannte Frau vermuteten, hatten sich nun zwei Männer großräumig heimisch eingerichtet.
Ja, es war bitterkalt draußen, die bisher kälteste Nacht des Jahres, und es wird für alle obdachlosen Menschen Zeit, sich ein Plätzchen drinnen zu suchen.
Am hinteren Ende der Halle lag noch ein "Kumpel" auf der Bank, dick eingepackt und die Fellkaputze auf dem Kopf.
Er war einfach nur zufrieden mit seiner Position und wollte nichts.
Bahnhofshallen sind heute keine geheizten Zufluchtsorte mehr.
Sie sind eisig kalt und oft zugig.
Aber das Risiko zu erfrieren ist eben gering.
Die beiden Schutzsuchenden am Eingang nahmen gerne eine heiße Terrine, einen Kaffee.
Auch den Wunsch nach einem wärmenden Schlafsack und einer Isomatte konnten wir erfüllen.
Unsere Bekannte fanden wir nicht.
Wir fuhren noch zu einem Einkaufszentrum, wo sie tagsüber gesehen worden war.
Ohne Erfolg.
Auf dieser Tour trafen wir unsere Straßenmenschen in Parkhäusern, Zelten, Bahnhöfen.
In einem Parkhaus schauten wir in ein Treppenhaus.
Die Treppe knickte ab und war nicht mehr einsehbar.
Aber wir hörten Geräusche, das leise Rutschen auf Beton.
Laut und deutlich stellten wir uns vor, boten die Terrine, einen Kaffee an, aber nichts, nur unverkennbar Zeichen dafür, dass da jemand war.
Wir gaben auf, als keine Antwort kam.
Es gibt immer wieder Situationen, in denen wir entscheiden müssen: Weiter gehen oder sich zurückziehen.
Wenn es gefährlich werden könnte, ziehen wir uns zurück.
So auch hier.
Der Gang nach oben, um die Ecke könnte übel ausgehen, weil dort jemand sitzen könnte, der keinen Besuch möchte.
Das ist ein Wunsch, der sich aus vielen Erfahrungen heraus zum Selbstschutz entwickelt hat, und wir haben Verständnis dafür, respektieren ihn.
So viele bauen Scĥutzzäune, Gitter auf.
Einige können wir durchbrechen, indem wir kleine Schritte machen, Vertrauen aufbauen - andere nie.
Passt auf euch auf.
Sabine und Monika vom Team Lichtschmiede e. V.